Nichtapportieren:

 

Eines der größten Rätsel in der Dummyarbeit für mich ist das bei diversen Hunden auftretende Nichtapportieren eines Dummys, was ich nun schon öfter, auch bei meinem eigenen Hund, beobachten konnte. Sind für den Hund liegende Dummys uninteressant, kann dem eigentlich einfach abgeholfen werden (siehe unter Punkt „Steadiness“). Diese Art von Nichtapportieren meine ich jedoch nicht.

Sondern: Markierung fliegt, Hund rennt wie der Teufel raus, kommt am Dummy an, lässt es liegen und bleibt über dem Dummy stehen oder kommt leer oder gar nicht zurück. Trieb beim Hund ist vorhanden und Freude an der Dummyarbeit auch, jedoch wird aus unerfindlichen Gründen das Dummy nicht aufgenommen. Gibt man das Dummy dem Hund in den Fang, wird dieses in der Regel freudig getragen und zum Ausgangspunkt mitgenommen. Auch mit Fun-Dummys haben solche Hunde meistens kein Problem. Die Toller sind von diesem Phänomen häufig betroffen, wie es sich bei den anderen Retriever-Rassen verhält, ist mir nicht bekannt.

Warum dieses Verhalten gezeigt wird, darüber kann ich nur spekulieren und Mutmaßungen anstellen. Bei meinem Hund trat es ganz zu Anfang unseres Dummytrainings auf, als mir von überall geraten wurde, mit meinem Hund Haltetraining zu machen, da sie zu anfangs das Dummy vor meine Füße gespuckt hat. Ich öffnete also sanft ihren Fang, gab das Dummy hinein, stütze das Kinn mit meiner Hand und lobte sie währenddessen und streichelte sie. Nach ein paar Wiederholungen wollte sie das Dummy nicht mehr ausspucken und hielt es fest und ich freute mich darüber. Nach dieser Halteübung hat mein Hund kein einziges Dummy selbständig mehr aufgenommen. Obwohl diese Übung meiner Meinung nach völlig sanft, ruhig und mit viel Lob abgelaufen ist, war für meinen sensiblen Hund der psychische Druck wohl zu groß und sie verweigerte von nun an jedes Dummy.

Man sollte sich also hüten, auf einen sensiblen Hund, wie es die meisten Toller sind, großen psychischen oder physischen Druck auszuüben. Meistens ist die Vorstellung vom Hund, was Druck ist, anders als unsere eigene Vorstellung, daher ist Vorsicht geboten. Man sollte nicht unter allen Umständen fragwürdige Steadinessübungen mit dem Toller machen. Man sollte nicht unter allen Umständen dem Hund die Schnauze zuhalten, oder ganz übel mit der Leine schlagen, weil der Toller fiept. Man sollte nicht mit dem Toller forciertes Haltetraining machen, wie allgemein üblich. Zu große Härte in der Ausbildung ist kontraproduktiv. Kurz nach solchen Übungen oder auch ein paar Wochen/Monate später zeigt sich die Reaktion in Totalverweigerung und dann hat man ein richtiges Problem.

Die Ausbildung für den Toller sollte immer wie ein Spiel für ihn aussehen. Er sollte selbst entscheiden können, welches Verhalten er zeigt. Für das für uns richtige Verhalten wird er gelobt und für das für uns falsche Verhalten wird er ignoriert. Meiner Erfahrung nach ist das ein Weg, wie der Toller am schnellsten und am freudigsten lernt, das erwünschte Verhalten wird dadurch gefestigt und das unerwünschte nach und nach ausgelöscht.

Im Buch „Die 3 Apporte“ von Tineke Antonisse-Zijda ist eine super Alternative beschrieben, wie man dem Hund das Apportieren schmackhaft machen kann, ohne Druck auszuüben.

Meinem eigenen Hund habe ich durch Clickertraining die Freude am Dummy zurückgeben können und das zuverlässige apportieren wieder beigebracht. Bei anderen nichtapportierenden Tollern haben wir ebenfalls mit Clickertraining vieles wieder wett machen können.




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Aktualisierung: 2010/11/15 ©
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